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Halbinsel Tihany
Die grüne Halbinsel ragt weit in den Balaton hinein. Und auf einer Berg- kuppe wacht ein romantisches Fischerdorf über den Fluten: Das ist Tihany, der meistbesuchte Ort am Plattensee. 1952 wurde die gesamte 5,5 km lange und 2.3 km breite Halbinsel Tihany zum ersten Naturschutzgebiet Ungarns erklärt. Während das Ostufer für den Verkehr gut erschlossen ist, kommt man im Westen der Insel, wo es wegen der starken Verschilfung keine Bademöglichkeiten gibt, nur zu Fuß voran. Tihany, das ist aber auch der gleichnamige Ort mit rund 2.000 Einwohnern auf einer Bergkuppe im Osten der Halbinsel. Die Siedlung hat sich noch viel von der Romantik des alten Fischerdorfes bewahren können, auch wenn heute mehr nach Touristen gefischt wird. Inmitten der Halbinsel sind durch Niederschläge und Stürme zwei Seen entstanden. Der Innere See direkt unterhalb der Ortschaft ist ein bekanntes Anglerparadies, der Äußere See hingegen ist völlig verschilft. 488 Der Plattensee An der Südspitze der Halbinsel befindet sich der Autofährhafen, der an der schmalsten Stelle des Plattensees Nord- und Südufer miteinander verbindet. Die gesamte Personenschifffahrt geht vom inneren Hafen aus, der zwischen Dorf und Fährhafen am östlichen Ufer liegt. Wer etwas Zeit mitbringt, wird neben der berühmten Abteikirche noch vieles mehr entdecken können. |
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Geschichte Erst geraume Zeit nach der letzten Eiszeit entstand die Halbinsel Tihany, denn zunächst war sie wegen des ungleich höheren Wasserstands des Plattensees eine richtige Insel. Bereits in der Bronzezeit nutzten Menschen diesen geschützten Lebensraum. Archäologen entdeckten hier eine fast 3.000 Jahre alte, mächtige Erdburg, die zu den besterhaltenen Festungen aus vorgeschichtlicher Zeit in ganz Europa zählt. Auch Kelten, Römer und Awaren hinterließen später ihre Spuren. Größere Bedeutung erlangte Tihany, als im Jahre 1055 der ungarische König Andreas I. die Halbinsel zur Familiengrabstätte bestimmte und zu deren Schutz eine Benediktinerabtei gründete. Gegen Anfang des 13. Jahrhunderts lebten auf Tihany bereits über 400 Bedienstete der Benediktiner. Zur Zeit der Türkenkriege übernahmen königliche Truppen die Verwaltung der zu einer Burg umgestalteten Abtei, während die Mönche ausgesiedelt wurden. Die türkischen Truppen konnten die Halbinsel jedoch nie erobern - sie scheiterten an der natürlichen Barriere Plattensee. Als im Jahre 1606 den Mönchen die Abtei wieder zugesprochen wurde, begann ein langer Rechtsstreit, weil sich die Burgmannschaft weigerte abzuziehen. Noch heute tragen viele Einwohner Tihanys die Namen jener Soldaten, die sich hier am Anfang des 18. Jahrhunderts , als die Mönche ihre Abtei endgültig wieder in Besitz nehmen konnten, als Bauern, Viehzüchter und Fischer niederließen. Erst zwischen den beiden Weltkriegen entwickelte sich ein bescheidener Badetourismus. Als Grenzfestung diente die Halbinsel zuletzt den deutschen Truppen, die sich hier zwischen Dezember 1944 und März 1945 verschanzten. Nach der Befreiung wurden die Abtei und ihre Ländereien säkularisiert. Die von Mönchen begründete Weinbautradition, besonders bekannt sind Tihanyer Merlot und Cabernet, wurde fortan zunächst unter staatlicher Aufsicht und nach der Wende auch zunehmend in privater Hand weitergeführt. |
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Sehenswertes Sie erhebt sich wehrhaft auf der Spitze des Hügels, um den herum sich das Dorf Tihany erstreckt . die weithin bekannte, vor einiger Zeit vollständig renovierte Abteikirche. Der heutige Bau entstand in den Jahren 1719-54 auf dem Fundament der von König Andreas 1055 gestifteten Klosterkirche. In der noch heute existierenden Krypta dieses ersten Baus (Unterkirche) kann man das Grabmal des im Jahre 1060 verstorbenen Ungarnkönigs Andreas I. sehen. Die Inneneinrichtung der Oberkirche schuf zwischen 1754-79 der Künstler Sebastian Stuhlhof. Ganze 25 Jahre arbeitete er hier unentgeltlich als "Weltlicher unter Mönchen". Sehenswert sind die Kanzel, der Orgelschrank samt Empore sowie Haupt-und Seitenaltäre. Sie dokumentieren die reife spätbarocke Künstlerschaft Stuhlhofs. In dem erhöhten Sanktuarium fallen besonders die z. T. schon stark verblassten Fresken ins Auge. Hier befindet sich außerdem eine kleine Sammlung sakraler Gegenstände (u.a. Mönchskleidung, Kreuze, Kelche, Hostiendose). Im Sommer finden hier häufig, vor allem dienstags und mittwochs um 20 Uhr, Orgelkonzerte mit berühmten in- und ausländischen Künstlern statt. |
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Wanderungen Wanderungen sind die beste und mitunter auch einzige Möglichkeit, die anderen Sehenswürdigkeiten der Halbinsel kennen zu lernen. Wanderkarten und aktuelle Tipps erhält man beim Balatontourist-Büro in der Kossuth utca 12 (siehe Information). Ein schöner Rundweg führt in rund zwei Stunden von der Siedlung am inneren Hafen vorbei zur Ciprián-Quelle (auch Russischer Brunnen genannt) und zu den kahlen Höhlen im Fels, die im 11. Jahrhundert Mönchen aus Kiew als Wohnungen gedient haben sollen. Ein rot markierter Weg führt in etwa 1,5 Stunden zum 235 m hohen Gipfel des Csúcshegy (zu deutsch: Spitzberg), von dessen Gipfel man eine herrliche Aussicht hat. Obwohl hier schon seit über zehn Jahren kein Lavendel mehr angebaut wird, findet man am Fuße des Berges noch einige wilde Überbleibsel der Tihanyer Lavendelfelder. Bekannt sind die mächtigen Kalkfelsen im Südwesten der Halbinsel. Sie sind aus Ablagerungen der heißen Quellen entstanden, die hier vor Jahrtausenden die Landschaft formten. Der größte von ihnen heißt Aranyház (deutsch: Goldhaus), weil er von gelblichen Moosflechten bewachsen ist. Hier kann man spazieren gehen und ein wenig klettern, wenn man die Aussicht genießen will, die sich von den Kuppen bietet. |
Ausflüge
Nagyvázsony Die kleine Ortschaft mit 2.000 Einwohnern liegt 25 km nordwestlich von Tihany zu Füßen des 600 m hohen Kab-Berges. Die Anfahrt vom Plattensee lohnt sich aber. Sehenswert ist die Ruine der um 1400 erbauten Burg Kiniszsi. Im erhaltenen großen Turm der Burg befindet sich im Erdgeschoss der einstige Kerker mit einer kleinen Ausstellung. Im ersten Stockwerk werden Bilder und Skizzen der Burg, im dritten Stock Möbel und Wandteppiche aus dem 16. Jh. und im vierten historische Modelle der Burg und Keramik gezeigt. Im zweiten Stock befindet sich der Rittersaal mit Rüstungen, Wappen usw. In der Burgkapelle zieht das Grabmal Pál Kinizsis mit einem Grabstein aus rotem Marmor die Blicke auf sich. Der einstige Burgbesitzer galt als Held der Türkenkriege, da seine Truppe erfolgreich den Muselmanen trotzte. Der Sage nach konnte er ohne Probleme einen Mühlstein heben. Im Lapidarium unter der Kapelle (Seiteneingang benutzen) kann man Steinmetzarbeiten aus der Burg und dem von Kinizsi gestifteten, heute verfallenen Paulinerkloster sehen. Vom Dach des Turms, der einst mit Schindeln gedeckt war, hat man einen herrlichen Blick auf die Umgebung. 85 gemeißelte Steinstufen zählt die Wendeltreppe. |
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