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Reiseführer & Reisebücher


Italien
 
Bibliografische Daten

Fohrer, Eberhard, 840 Seiten, 4. Auflage 2003, s/w mit Farbtafeln, lieferbar, 24,90 EUR, 43,70 sFR, ISBN 3-89953-138-8



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Bari                                             (ca. 400.000 Einwohner)

Chaotisch-lebendige Mezzogiorno-Großstadt mit viel Industrie, hoher Arbeitslosigkeit und ständig steigenden Einwohnerzahlen. Die Gegensätze prallen hart aufeinander: extrem modisches Publikum in der Neustadt, Armut und Carabinieri-Streifen in der engen Altstadt. Die Probleme des italienischen Südens kann man hier hautnah erleben. Bari hat zwei extrem gegensätzliche Gesichter – das eine die am Reißbrett angelegte Neustadt mit endlosen Einkaufsstraßen, die sich wie ein Ei dem anderen gleichen. Boutiquen Tür an Tür, oft aufwändig mit Außenheizung vor den Schaufenstern, damit auch an kalten Tagen die Käufer nicht ausbleiben. Unmittelbar daneben der abrupte Gegensatz – die sympathische, fast kleinstädtisch wirkende Altstadt. Heimarbeit ist hier lebensnotwendig, ganze Familien sitzen vor ihrer Tür und formen Nudeln. Bari eilt ein schlechter Ruf voraus: Nachdem wir zum fünften Mal eindringlich gewarnt wurden, um Gotteswillen auf unsere Umhängetasche aufzupassen, sahen wir in jedem Passanten einen finsteren Unhold. Wirkliche Sehenswürdigkeiten sind nur die beiden großen Kirchen in der Altstadt.

Sehenswertes

Neustadt Die Neustadt mit ihren streng geometrischen Straßenzügen wird abends zur gleißenden Shopping-Line, am Corso Cavour ballen sich zusätzlich zahllose Straßenstände. Die weitgehend zur Fußgängerzone ausgebaute Via Sparano da Bari ist neben dem Corso Cavour die Hauptschlagader der Konsum-City. Sie beginnt am Bahnhof und durchzieht den Palmenpark an der Piazza Umberto I mit dem Palazzo Ateneo, in dem die Universität ihren Sitz hat sowie ein reichhaltiges, allerdings seit Jahren geschlossenes Archäologisches Museum. Das eindrucksvolle Teatro Petruzelli am Corso Cavour brannte im Oktober 1991 völlig aus, bisher gibt es immer noch keinerlei Restaurierungsarbeiten. Die Pinacoteca Provinciale im Palazzo della Provincia am Lungomare Nazario Sauro ist die umfangreichste Gemäldesammlung Apuliens und zeigt hauptsächlich Werke süditalienischer Künstler. Auf der Hafenmole Molo San Nicola, kurz vor dem Eingang zum Centro Storico, findet täglich ein turbulenter Fischmarkt statt, die sehenswerte Fischmarkthalle befindet sich an der Piazza Ferrarese am Beginn der Altstadt.  

Altstadt
Über den breiten Corso Vittorio Emanuele gelangt man mit wenigen Schritten in eine völlig andere Stadt – größer kann ein städtebaulicher Gegensatz kaum ausfallen. Immerhin wurde das Gebiet um die Piazza Ferrarese und die Piazza Mercantile in den letzten Jahren aufwändig saniert, seitdem kann man sich hier auch wieder abends aufhalten. An der Piazza Mercantile mit täglichem Vormittagsmarkt beginnen die engen Gässchen des Centro Storico, das auf eine weit vorspringende Halbinsel gebaut ist. Dunkle Torbögen, knatternde Mopeds, immer wieder landet man in Sackgassen – ein Gewirr von Häusern und Wegen, das abends im Schein der diffusen Lampen zum unheimlichen Labyrinth wird.

Kathedrale San Sabino: massiver Block mitten im Gassengewirr des Centro Storico, hat sich seit dem 12. Jh. ihr mittelalterliches Aussehen perfekt bewahrt. Es dominiert der strenge Stil der apulischen Romanik, kaum barocker Zierrat. Links und rechts vom Hauptschiff zwei schöne Galerien, auch Reste eines alten Fußbodenmosaiks sind noch erhalten. In der Krypta die byzantinische Ikone der Panagia Odigitria, die vor den Bilderstürmern aus dem Osten gerettet wurde und als größtes Heiligtum Baris verehrt wird. Linker Hand kann man die Leiche von Santa Colomba bestaunen, einer spanischen Märtyrerin, die 273 im Alter von 17 Jahren in Frankreich getötet worden sein soll.

Basilica di San Nicola
: ebenso mächtig wie die Kathedrale, aus fast weißem Kalkstein. Ende des 12. Jh. erbaut, um die Gebeine des Bischofs Nikolaus von Myra an der türkischen Südküste aufzunehmen, auf den unsere Nikolaus-Geschichte zurückgeht. Kaufleute aus Bari hatten um 1087 die Reliquien des verehrten Schutzpatrons der Seeleute aus der Türkei entführt und kamen damit den Venezianern zuvor, die dasselbe vorhatten. Alljährlich am 8. Mai wird dieser gelungene Coup mit einer großen Bootsprozession gefeiert (jedoch halten sich ernst zu nehmende Gerüchte, dass die Italiener den falschen Sarg erwischt haben). Das ausgesprochen festungsartige Äußere täuscht nicht – der rechte Turm gehörte wirklich ursprünglich zu einem Kastell. Durch das reichhaltig geschmückte Hauptportal gelangt man ins Innere, gleich rechter Hand liegt das Museo Nicolaiano mit Geschenken an den Heiligen, Urkunden und den Resten der Kiste, in der die Gebeine des heiligen Nikolaus ihren Weg nach Bari gefunden haben. Die reich verzierte, barocke Holzdecke stammt aus dem 17. Jh., der Altar ist mit einem prächtigen Baldachin überdacht, dahinter steht auf einem byzantinischen Mosaikboden ein wertvoller Bischofsthron (11. Jh.), dessen Sitzfläche von schmerzverzerrten Menschlein getragen wird. Die angeblichen Überreste von "Santa Claus" befinden sich in der Krypta, ein vielbesuchtes Pilgerziel nicht nur für Italiener, inzwischen wurde auch eine griechisch-orthodoxe Kapelle eingerichtet. Der Kirchenvorplatz ist weiträumig umbaut, durch einen Durchgang kommt man zur Ringstraße, die die Altstadt auf der Meerseite umgibt.

Castello Normanno-Svevo
: vom Stauferkaiser Friedrich II. an der Stelle eines normannischen Wehrbaus mit trapezoidförmigem Grundriss erbaut. Mit seinen starken Bastionen hinter einem breiten Graben wirkt es von außen beeindruckender als innen. Nur ein Teil ist öffentlich zugänglich, der Rest von der Stadtverwaltung in Beschlag genommen. Schön ist der große Innenhof, außerdem ist eine Gipsoteca mit Rekonstruktionen reichhaltig verzierter Portalreliefs apulischer Kirchen zu betrachten.  

Bari / Umgebung

Von Bahnhof in Bari kann man mit der "Ferrovia Tranviaria Bari Nord" gemütlich ins nahe Bitonto und weiter nach Ruvo di Puglia fahren, wo man allmählich ins Gebiet der Murge kommt. Die Stationen liegen jeweils etwa 1 km außerhalb des Zentrums.

Bitonto
: ländlich geprägte Provinzstadt inmitten völlig flacher Landschaft mit Olivenbaumkulturen, Bitonto produziert einen Großteil des apulischen Öls. Die ausgesprochen hübsche, verwinkelte Altstadt ist für Autos nicht geeignet, vorher abstellen. Den Dom muss man etwas suchen, was sich aber lohnt – prächtiger apulisch- romanischer Bau aus weißem Kalkstein mit filigraner Außengalerie, an der linken Seite durch Bögen mit einem benachbarten Palazzo verbunden. Das kunstvoll- arabeske Portal ist flankiert von zwei Löwen und Fabelwesen. Im Inneren bunt bemalte Holzdecke und reich verzierte Kanzel mit Reliefs, die Szenen aus dem Leben Friedrichs II. darstellen. In der großen Krypta Fresken aus dem 14. Jh.

Ruvo di Puglia
: hübsches, kleines Städtchen, in dem man gerne mal etwas Zeit verbummelt. Der Dom Santa Maria Assunta aus dem 12. Jh. ähnelt dem von Bitonto, herrliche Fassade mit vielen Details, vor dem reich verzierten Portal nahezu vollständig verwitterte Löwen und Fabeltiere auf schmalen Säulen, oben eine zwölfteilige Rosette. Bedeutend ist auch das Museo Jatta an der Piazza Bovio mit einer Unmenge gut erhaltener antiker Keramik, entdeckt von Giovanni Jatta Anfang des 19. Jh. in einer nahe gelegenen Nekropole. Prunkstück ist der "Cratere di Talos", eine große attische Vase aus dem 5.Jh. v. Chr.

Le Murge: Altamura und Gravina in Puglia, die beiden Hauptorte des bis über 500 m ansteigenden Kalksteinplateaus "Le Murge" mit seinen verkarsteten Böden und in den höheren Lagen tiefen, canyonartigen Schluchten bieten sich als Ausflugsziele im ländlichen Inneren Apuliens an. Ohne eigenes Fahrzeug kann man die 50 km von Bari auch bequem mit der "Ferrovia Apulo-Lucane" fahren. Das moderne Archäologische Museum von Altamura (Via Santeramo 88) präsentiert Funde von der Frühgeschichte bis zum Mittelalter. Interessant ist vor allem die prähistorische Abteilung mit einer Dokumentation zum "L’uomo di Altamura", dem etwa 250.000 Jahre alten Skelett eines Neandertalers, das 1993 in einer schwer zugänglichen Tropfsteinhöhle in der Nähe der Stadt entdeckt wurde. Da die Knochen völlig von Tropfstein überwachsen und versintert sind, können sie vom Fundort nicht entfernt werden. Einmalig für Apulien ist außerdem der so genannte "Osso a globuli", ein mit geometrischen Zeichen verzierter Knochen aus dem 2.Jt. v. Chr., wie man sie mehrfach in Troja (Kleinasien) gefunden hat. 12 km westlich von Altamura liegt Gravina in Puglia über einer tiefen Schlucht (Gravina), in deren Höhlen sich schon in frühesten Zeiten die Einheimischen vor fremden Invasoren versteckten. Ähnlich wie in Matera  Basilikata) wurden sie bis ins 20. Jh. für Wohnzwecke genutzt. Besichtigen kann man die Kathedrale mit dem Museo di Arte Sacra und die nahe gelegene Chiesa del Purgatorio mit Verzierungen in Form von Knochen und Totenschädeln über dem Portal. Danach kann man zur tief in den Tuff gegrabenen Höhlenkirche San Michele delle Grotte hinuntersteigen. Hier sind noch Reste byzantinischer Fresken erhalten, im Ossario werden außerdem die Knochen der Menschen aufbewahrt, die 983 bei einem Sarazenenüberfall getötet wurden. Gut essen kann man in der "Osteria di Salvatore Cucco", Piazza Pellicciari 4 (So-Abend und Mo geschl.).    

Trulli-Region

In der welligen Landschaft des Valle d'Itria um Alberobello und Locorotondo eine der großen Sehenswürdigkeiten des Südens – über viele Quadratkilometer ein ganzer Wald von eigenartigen, oft blendend weiß gekalkten Häuschen, so genannten Trulli, die oben pyramidenförmig spitz zulaufen.

Wie Zipfelmützen ragen sie überall aus den grünen Olivenplatagen und Weinfeldern, z. T. schlichte Bauernhäuser aus rohem Feldgestein, z. T. kunstvoll gemauerte Landwohnsitze. Oft sind mehrere Trulli zu ganzen Komplexen verbunden. Sie haben große Ähnlichkeit mit Hirtenhütten und gehen in ihren Ursprüngen vielleicht bis in prähistorische Zeiten zurück – die heute hier stehen, sind aber höchstens 200 Jahre alt. Lohnt sehr, mit Auto oder Bahn das fruchtbare Land zu durchfahren, immer wieder hat man eindrucksvolle Perspektiven. Allerdings sind die Trulli mittlerweile weltweit

bekannt. Spätestens seit die Unesco sie Mitte der Neunziger ins Weltkulturerbe aufgenommen hat, gehören sie zum touristischen Pflichtprogramm in Süditalien. Entsprechender Andrang herrscht den ganzen Sommer über.

Grotte di Castellana: 2 km außerhalb der Stadt Castellana Grotte, an der Straße nach Putignano, liegt eine Landschaft bizarrer Kalksteinfelsen. Tief verborgen erstreckt sich darin eine der schönsten Grotten des Stiefels, die erst 1938 entdeckt wurde. Zugänglich sind heute etwa 1,6 km des unterirdischen Höhlensystems, Besichtigung im Rahmen einer kurzen (1 km, 50 Min.) oder langen Führung (3 km, 2 Std.). Beide beginnen im größten Höhlenraum namens La Grave, zu erreichen per Aufzug oder auf einer Treppe mit nahezu 300 Stufen. Am beeindruckendsten ist die weiß schimmernde Grotta Bianca, die nur im Rahmen der längeren Führung besichtigt wird.
Alberobello
: Die geschäftstüchtige Hauptstadt der Trulli besitzt weit über 1000 "Hexenhäuschen", die zwei Viertel bilden, Rione Monti und Rione Aia Piccola. Ersteres liegt steil im Süden der Stadt und ist erster Anlaufpunkt aller Besucher. In langen Schlangen schiebt man sich durch die Gässchen, die Häuschen sind voller Souvenirs oder wurden zu Weinstuben und folkloristischen Restaurants verwandelt – trotzdem sehenswert. Rione Aia Piccola im Osten ist authentischer geblieben, hier werden die Trulli nach wie vor zum Wohnen genutzt. Der einzige zweistöckige Trullo ist der Trullo Sovrano hinter der Kirche SS. Medici Cosma e Damiano am Ende des Corso Vittorio Emanuele. Ausgangspunkt für einen Bummel durch die gepflegte Neustadt ist die hübsche Piazza del Popolo. Nicht weit entfernt liegt das Museo del Territorio, das Einblick gibt in die Wohnkultur der Trulli und die bäuerliche Arbeitswelt der letzten Jahrhunderte.
Locorotondo
: strahlend weißer Häuserkranz auf einer Hügelspitze, im Umkreis Weinhänge. In der "città del vino bianco" stehen nur wenige Trulli, charakteristisch sind vielmehr die zahlreichen kleinen Giebelhäuser, die dem äußerst gepflegten Zentrum fast musealen Charakter verleihen. Große Sehenswürdigkeiten gibt es nicht, aber ein geruhsamer Bummel macht Spaß, da wesentlich weniger Rummel herrscht als in Alberobello. Üppiges Grün schmückt überall die weißen Fassaden. Am höchsten Punkt, vor einer Reihe vorbildlich restaurierter Giebelhäuser, die die Etiketten des geschätzten örtlichen DOC-Weißweins zieren, genießt man das herrliche Panorama der weiß-grauen Zipfelmützen im Valle d'Itria.

Martina Franca                        (ca. 45.000 Einwohner)

Die europäische Barockstadt – in exponierter Hügellage eins der interessantesten und schönsten Stadtensembles der Region. Die Altstadt ist vom Allerfeinsten und ein Paradebeispiel dafür, wie der oft schwülstig und überladen wirkende barocke Baustil dezenter eingesetzt werden kann. Weg von protzigen Fürstenpalästen und Adelslogen, hin zur wirklichen "Wohnkultur", die jedem Bewohner zugute kommt.
Von der leicht ansteigenden Piazza XX Settembre gelangt man durch die monumentale Porta di Santo Stefano in die Altstadt und betritt die hübsche, palmenbestandene Piazza Roma mit dem imposanten
Palazzo Ducale. Die enge Shoppingzeile Via Vittorio Emanuele führt anschließend zum unerwartet auftauchenden, alles überragenden Dom San Martino mit prachtvoller Barockfassade. Ein paar Schritte unterhalb die wunderschöne halbrunde Piazza Maria Immacolata mit rundum laufenden Säulengang. Hier beginnt ein völlig verschlungenes Netz von Pflastergassen, in dem man sich am besten treiben lässt, um irgendwann irgendwo wieder herausgespült zu werden. Die Häuser niedrig, weiß oder pastellfarben, barocke Formen spielerisch verfeinert auf höchstem Niveau. Fensterumrahmungen mit eleganten Skulpturen, weich geschwungene Balkongitter, Lampenfassungen in Blumenform – das Ganze wohlgemerkt keine Adelsbehausungen, sondern schlichte Wohnhäuschen, wo die Mammas vor der Tür sitzen und alle Fremden neugierig mustern. Alles wirkt wie aus einem Guss, ein urbanes Gesamtkunstwerk, wie man es in der europäischen Stadtarchitektur nur noch selten findet.  

Küste von Bari nach Brindisi

Zunächst fast durchweg flache Klippenküste, eingelagert jedoch viele kleine Buchten, vor allem hinter Monopoli. Schöne Dünenstrände bei Torre Canne und Marina di Ostuni. Im Hinterland endlose Ölbaumpflanzungen und rostbraune Felder, viel Agriturismo. Sehenswert sind vor allem Polignano a Mare, die Ausgrabung von Egnazia und die Hügelstadt Ostuni. In Bari endet die Autobahn, weiter auf vierspuriger Schnellstraße SS 16, wo es wegen erheblichem LKW-Verkehr oft reichlich zäh vorangeht, Meer in Sichtweite. Die Bahnlinie verläuft meist etwas weiter landeinwärts und durchzieht in den Orten nur die Außenbezirke, Bahnhöfe meist ein gutes Stück außerhalb vom Zentrum. Im Einzugsbereich von Brindisi viel Industrie. Polignano a Mare: Das Städtchen thront auf hohen Kalksteinklippen über dem Meer. Die schmalen Gassen der schneeweiß getünchten Altstadt führen an verschiedenen Stellen zu spektakulären Aussichtsplattformen. Die tief ins Felsinnere verzweigte Grotta Palazzese ist von dem gleichnamigen Hotel-Restaurant überbaut.

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